Sonntag, 10. Februar 2013

Weiberfastnacht, Rosenmontag und Aschermittwoch


Karneval, das ist nichts für mich. Bin froh, wenn es wieder vorbei ist. Ich setze mir doch keine Pappnase auf oder verkleide mich und mache mich zum Narren. In diesem Jahr sollte es jedoch ganz furchtbar werden.

Am letzten Mittwoch erhielten wir einen Anruf von Caras Sandkastenfreundin Rita, die jetzt in Krefeld wohnt. Wir sollten doch kommen und Karneval feiern, das könne man schließlich nur im Rheinland. Da Cara ohnehin schon seit Tagen an einem Kostüm nähte und morgens unter der Dusche die Habanera trällerte, ahnte ich bereits Schlimmes. Und so kam es dann auch. Noch am Mittwochabend ging es nach Krefeld. Cara hatte zwar gesagt, ich könne hier bleiben, denn es würde mir bestimmt nicht gefallen, doch ich war ein kleines bisschen neugierig und wollte mit, so aus ihrer Tasche hervorkommen und als stiller Beobachter alles miterleben.

Am Donnerstag fuhren wir mit der Stadtbahn von Krefeld nach Düsseldorf. Rita trug ein Fantasiekostüm, Cara hatte sich als Carmen aufgebrezelt. Ich hätte sie nicht wiedererkannt. Dann ging es in ein Lokal. Dort war es rappelvoll und es gab dieses dunkle Bier in kleinen Gläsern, Alt nennen sie es, und so sieht es auch aus. Die Frauen haben ganz gut zugelangt und es war laut dort. Dann geschah das Schreckliche. Mit einem Mal kam eine grell geschminkte Frau auf mich zu und hauchte mir mit ihrer Bierfahne ins Gesicht: „Ach, bist du ein Süßer, aber selbst du, Schätzelein.“ Und dann war es auch schon passiert.

Mit einem kühnen Scherenschnitt hatte sie mir meine Fliege abgesäbelt. Ich stand unter Schock. Da nützte es auch nichts, dass Rita mir liebevoll über den Kopf strich und sagte, das sei nun mal so Brauch. An Weiberfastnacht werden die Krawatten abgeschnitten. Das dürften die Frauen, es sei ein Zeichen der frühen Emanzipation. Nun dachte ich, das wisse Rita aus der Emma. Aber nein, es war nicht Alice Schwarzer, von der sie das erfahren hatte. Ein Freund von ihr hatte darüber geschrieben. Manchmal verstehe ich die Männer nicht. Wie kann man so was auch noch publik machen! Na, den würde ich gern mal kennenlernen.

Kaum hatte ich mich von dem Schock erholt, kam die nächste Katastrophe auf mich zu. Eine völlig überdrehte und sehr beschwipste Frau hat Cara mit donnerndem Helau angerempelt, sodass das eklige Alt aus ihrem Glas mit Schmackes über mein Fell schwappte. Nun hatte ich doch ein Kostüm, Zottel als begossener Pudel. Lachen konnten aber nur die anderen. Ich jedenfalls hatte so richtig genug vom Karneval. Cara hat es dann wohl auch gereicht. Sie ist mit mir zu Ritas Wohnung gefahren, hat meine Sachen in die Waschmaschine gestopft und mir das Fell gewaschen, aber gründlich. Danach wollte ich auch den Zug nicht mehr sehen, nur noch den, der mich nach Hause brachte. Darum sind wir seit gestern wieder hier in der narrenfreien Zone.   
Einfach meine schön Fliege abgeschnitten

Nun bin ich zwar wieder sauber, wie man sieht, aber nicht mehr derselbe. Ist das der Sinn von Karneval? Ich pfeif auf Rosenmontag. Für mich ist jetzt schon Aschermittwoch.